Der perfekte jahrgang?

War es zu kalt, zu warm oder zu regnerisch? Ist das Traubengut gesund? Wie ist die Ausbeute? Ist es ein Jahrgang intensiver fruchtrunder Weine oder ist der Wein doch eher kantig herb?

 

Häufig schmeicheln Weine aus heißen Jahrgängen. Auch, weil sich die klimatischen Bedingungen in Deutschland verändern und Jahrhundertjahrgänge mit Rekordtemperaturen häufen.

 

Aber wie sieht der perfekte Jahrgang eigentlich aus?

Es kann nicht oft genug wiederholt werden, dass ein Jahrgang ohne Extreme, mit Maß an Niederschlag, wiederkehrenden Trockenperioden und kontinuierlich steigenden Temperaturen mit Tag- und Nachtvarianz, die langlebigsten und komplexesten Weine schafft. Jedoch gibt es je nach Jahreszeit und Wachstumsphase einige Bedingungen, die einen Jahrgang zu einem Guten machen. Auch der Einsatz des Winzers an Pflanzenschutz und Laubarbeiten variiert stark von Jahrgang zu Jahrgang.

 

Winter/Frühjahr

Am besten ist ein kalter Winter, in dem die Rebe zur Ruhe kommt und der Pflanzensaft aufhört zu fließen. Niederschläge und Winterfeuchtigkeit sind wichtig, um die Wasserreserven zu füllen. So können Reben auch einmal einen extremen Sommer mit Dürre überstehen.

 

Ein Anstieg der Temperaturen und erste Sonnenstrahlen Mitte/Ende März, sollten möglichst gleichmäßig sein. Wenn die Mondphasen wechseln besteht zwischen Mitte April und Ende Mai die Gefahr von Spätfrost.

Wenn der erste Pflanzensaft wieder fließt, kommt es je nach Witterung ca. Ende April zum Austrieb. An den jungen Trieben werden später die Trauben wachsen. Ein später Frost sorgt für Ernteeinbußen.

 

Früsommer/Sommer

Ein gleichmäßiges Ansteigen der Temperaturen ohne Extreme favorisiert Anfang/Mitte Juni einen homogenen Ablauf der Blüte. Je nach Abblühen kann ein früher bzw. später Beginn der Ernte berechnet werden, ca. 100 Tage nach Blüte. Falls es in dieser Zeit zu extrem kühlen Temperaturen, zu viel Niederschlag aber auch zu hoher Hitze kommt, kann es zur Verrieselung des Blütenstandes (Geschein) kommen. Während dieser Zeit hat die Rebe einen hohen Nährstoffbedarf.

 

Die Trauben befinden sich bis ca. Mitte/Ende August in der Wachstumsphase. Dies bedeutet, dass die kleinen Beeren sich in der Zellteilung befinden, bevor sie reifen.

Ein heißes, aber nicht schwüles Klima ist vorteilhaft. Niederschläge notwendig, allerdings braucht es auch immer wieder Trockenphasen zwischendurch.

 

Sobald die Trauben in die Reifephase übergehen, benöt diese Sonne und Wärme.

Wasser und Zucker werden in die Trauben eingelagert, Säure abgebaut. Auch in dieser Phase braucht die Rebe vermehrt Nährstoffe.

 

Herbst/Ernte

Ein langsames Ausreifen der Trauben mit sonnigen Tagen und kühlen Nächten ist der Traum eines jeden Winzers. Wenn Säurewerte langsam fallen, das Aromaprofil einer jeden Rebsorte langsam ausgereift werden kann und verschiedene Weinqualitäten durch früheres oder späteres Ernten ermöglicht werden.

 

Sicher ist, dass der Herbst wesentlich über die finale Qualität des Jahrgangs entscheidet.